Behandlung von Persönlichkeitsstörungen (z.B. Borderline)

Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung haben bestimmte Eigenheiten besonders ausgeprägt, z.B. sind sie außergewöhnlich selbstunsicher (ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung) oder abhängig von ihren Mitmenschen (dependente Persönlichkeitsstörung) oder besonders rigide, pedantisch und unflexibel in ihrem Denken und Handeln (anankastische Persönlichkeitsstörung) oder misstrauisch oder sehr begierig nach Bewunderung/Status mit einem eingeschränkten Vermögen sich in andere einzufühlen und deren Bedürfnisse zu beachten (narzisstische Persönlichkeitsstörung), etc. Man differenziert mehrere Persönlichkeitsstile. Charakteristisch ist, dass ihre Merkmale nicht in einigen wenigen Situationen auftreten, sondern stabil über alle Lebensbereiche hinweg bestehen. Eine Therapie wird meist erst in Betracht gezogen, wenn Komorbiditäten oder Probleme in Beziehungen mit anderen am Arbeitsplatz oder in der Partnerschaft auftreten, da zuvor kein Leidensdruck und keine Krankheitseinsicht besteht und die jeweiligen Eigenschaften als normal, zu einem gehörig (=ich-synthon) erlebt werden.

Die Verhaltenstherapie bedient sich bei der Behandlung von Persönlichkeitsstörungen der Schematherapie nach Jeffrey Young, bei der nicht nur kognitive und verhaltensmodifizierende Techniken zum Einsatz kommen, sondern vor allem emotionsevozierende imaginative Verfahren, um dysfunktionale Grundannahmen gemeinsam mit den aktivierten Gefühlen bearbeiten zu können, da diese dysfunktionalen, änderungsresistenten und auf früheste Kindheit zurückgehenden Grundannahmen (=Schemata) über sich selbst und andere, die Persönlichkeitsstörungen zugrunde liegen, nur so einer Veränderung zugänglich gemacht werden können.

Eine dieser Persönlichkeitsstörungen ist die heute immer öfter diagnostizierte emotional instabile Persönlichkeitsstörung (Borderline und impulsiver Typ). Charakteristika sind ein durchgängiges Muster von Instabilität im Bereich der Affekte, der zwischenmenschlichen Beziehungen und des Selbstbildes, Gefühle von unangenehmer Spannung oder innerer Leere, selbstschädigendes und/oder selbstverletzendes Verhalten, starke Gefühle der Einsamkeit und des Verlassenseins, Wutausbrüche und manchmal dissoziative Phänomene oder pseudopsychotisches Erleben.

Verhaltenstherapeutisch kommt hier die dialektisch behaviorale Therapie (DBT) nach Marsha Linehan zum Einsatz. Es wird versucht die Lebensqualität der Klienten zu verbessern, indem selbstverletzendes oder -schädigendes Verhalten im Zusammenhang mit den Gefühlen und Gedanken analysiert wird, um einen bewussteren Umgang mit Gefühlen zu erreichen. Weiters werden zwischenmenschliche Fertigkeiten vermittelt sowie Fertigkeiten zur Stresstoleranz und inneren Achtsamkeit. Eine vertrauensvolle, verlässliche therapeutische Beziehung, klare Grenzen, Motivationsarbeit und die Vereinbarung klarer Therapieziele spielen eine große Rolle. Oft ist auch die Aufarbeitung traumatischer Erfahrungen erforderlich.